Doris und Kristall
Solange ich mich zurückerinnern kann, liebte ich Pferde. Aus finanziellen Gründen konnte ich als Kind leider niemals Reitstunden nehmen, geschweige denn ein eigenes Pferd oder eine Reitbeteiligung haben. Knapp 40 Jahre danach erfüllte ich mir dennoch diesen Kindheitstraum! Er trat in mein Leben und ich war gefesselt von seinem Wesen. Sein Name ist „DA Kristall“ (Diamond Arabians), er ist ein Vollblutaraber und als ich ihn kaufte, war er 2,5 Jahre jung, sollte zuvor zum Schauhengst in Norddeutschland trainiert werden, was jedoch bereits nach 2 Wochen auf Grund seines psychischen Zustandes abgebrochen werden musste.
Als ich ihn kaufte war er noch absolut roh (konnte noch nicht mal die Hufe zum Ausputzen geben) und vom Charakter und Aussehen her sehr vergleichbar mit „Spirit“ dem wilden Mustang. Damals war sein Markenzeichen, dass er ein „Schönling“ ohne gediegene Erziehung und mit einem Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) und zugleich mit Übersensibilität (HSP) ausgestattet war. Ich verliebte mich dennoch sofort in diesen kleinen, ungebändigten Hengst, doch sah ich auch die Gefahr, die von ihm ausging.
Nach seiner Kastration und knapp zweieinhalb Jahren konsequenter Bodenarbeit in all den verschiedenen möglichen Variationen, wollte ich dann natürlich auch der erste Mensch auf seinem Rücken sein. Ich ließ uns sehr viel Zeit dafür und bereitete Kristall auch mental bestens darauf vor. Das klappte auch ganz gut, doch musste ich schnell der Wahrheit ins Auge sehen, dass mein reiterliches Können für den Beritt dieses Pferdes einfach nicht ausreichte. Schweren Herzens gab ich ihn dann in die Hände eines professionellen Bereiters. Gott sei Dank hatte ich die Möglichkeit ihn täglich zu besuchen, zu pflegen, mit ihm zu schmusen und ihn mit Zusatznahrung zu versorgen. Als er 4 Monate später wieder nach Hause kam, war er für mich bzw. für mein Können nach wie vor unreitbar.
Jetzt begann die Zeit der absoluten Verzweiflung, denn mein Mann fürchtete sich nach mehreren „Abgängen“ schon derart um mich, dass er sagte, ich solle doch mein Leben der Liebe zu diesem Pferd bevorzugen. Da mir Kristall schon viel zu sehr ans Herz gewachsen war, konnte unsere Devise nur mehr lauten: „Wir müssen das packen!“ Aufgeben kam nicht in Frage.
Durch glückliche Umstände trafen wir auf Michi, die sich dem „Fall“ annehmen wollte. Mittlerweile sind wir drei seit einem halben Jahr
konsequent am trainieren. Kristall hat sich in der Zeit unglaublich positiv entwickelt, blieb aber dennoch er, was mir sehr wichtig war und ist. Ich weiß, dass wir drei noch viel vor uns haben, einen langen, manchmal schweren Weg gemeinsam gehen werden, weiterhin unsere Rückschläge haben werden, aber dank Michi bin ich nun davon überzeugt:
„Wir packen das!“